Geschichte der MThB

Die Mittel-Thurgau-Bahn

Die MThB ist eine der wenigen schweizerischen Privatbahnen, die über die Landesgrenze fahren. Sie überquert vom Ausgangspunkt Wil (SG) aus das Hügelland nördlich dieser Stadt, berührt Weinfelden im Tale der Thur, überquert in schwungvoler Schleifenfahrt den Seerücken, um bei Kreuzlingen die Landesgrenze zu überschreiten und im Bahnhof Konstanz der Deutschen Bundesbahn (DB) am Ufer des Bodensees zu enden.

Eine Fahrt mit der MThB zur Zeit der Obstbaum-Blüte quer durch "Mostindien" ist ein Erlebnis. Besonders der Abschnitt zwischen Weinfelden und Kreuzlingen bietet ein ständig wechselndes Panorama. Bodensee und Untersee bilden seine Hauptakzente. Höchster Punkt der Linie ist Wil mit 571m, tiefster Punkt Konstanz mit 389 m ü.M.

Direkter Vorläufer der MThB war eine Postkutschen-Verbindung Wil - Weinfelden - Konstanz, die 1855 eingerichtet worden ist. In den achtziger Jahren tauchte die Idee einer Normalspurbahn Wil - Weinfelden - Konstanz auf. In der "Westdeutschen Eisenbahngesellschaft" in Köln fanden die Initianten einen finanzkräftigen Bauherrn. Man schloss mit der deutschen Firma einen Bau- und Betriebsvertrag ab. Der Baubeginn fällt ins Jahr 1909. Zahlreiche Rutschungen im Gelände verzögerten die Arbeiten.

Am 20. November 1911 begann der fahrplanmässige Betrieb. Am Morgen des Einweihungstages ereignete sich in Weinfelden ein kleines Missgeschick, bei dem eine Dampflokomotive und das neue Depot beschädigt worden sind. Glücklicherweise erwies sich der Zwischenfall nicht als böses Omen.
Mit der deutschen Betriebsgesellschaft lief nicht immer alles glatt. Im Jahre 1931 ging die Betriebsbesorgung auf die "Vereinigte Kleinbahnen-AG" (VKA) in Berlin über. Nach dem Aufgrund der Ergebnisse entschloss man sich 1939, zu einem gemischten Dampf- / Dieselbetrieb überzugehen. Die ersten bahneigenen Dieselwagen sind 1941 und 1942 in Dienst genommenworden. Mitte der fünfziger Jahre besass die MThB fünf derartige Fahrzeuge. Sie bereiteten ihr bei weitem nicht eitel Freude. Immer wieder musste die DB mit schweren Dampflokomotiven, Triebwagen und Schiene-Bussen einspringen.
Es wurde immer augenfälliger, dass nur die Elektrifizierung die Bahn von den ständigen Traktionssoregen befreien konnte. Dieses grosse Werk ist 1957 eingeleitet worden. Die finanziellen Mittel lieferte die öffentliche Hand. Es vergingen aber nocht acht Jahre, bis die fünf ABDe 4/4 Triebwagen ihren Dienst unter dem Fahrdraht aufnehmen konnten. Der elektrische Betrieb erlaubt, direkte Züge zu führen, unter anderem zwischen Konstanz und Zürich.

Der MThB hatte man von Anfang an die Rolle zugedacht, den grenzüberschreitenden Gütertransit zu pflegen. Die Leitung setzt die Bahn vor allem seit dem zweiten Weltkrieg als frachtregulierendes Instrument ein, das der ostschweizerischen Wirtschaft die Transportkosten senken soll. Folgerichtig beteiligte sich die MThB - als erste schweizerische Bahnverwaltung - am deutschenSeehafentarif, der herabgesetzte Frachtsätze ab den Häfen Bremen, Hamburg und Lübeck über Konstanz brachte. Es ist ihr gelungen, durch eine geschmeidige und kommerziell geprägte Geschäftsführung einen sehr ansehnlichen internationalen Transitgüterverkehr an scih zu sehen - nicht immer zur Freude der mit ihr in Konkurrenz stehenden SBB. Mit 166 000 Tonnenkilometren je km Betriebslänge figuriert die MThB in der Spitzengruppe der schweizerischen Eisenbahnen.

Neben dem Güterverkehr wird bei der MThB der Personenverkehr keineswegs vernachlässigt. Die Verwaltung versteht es, aus der Tatsache Nutzen zu ziehen, dass die deutsche Bodenseegegend eines der ganz grossen Feriengebiete der Bundesrepublik bildet und im Sommer von Gästen überschwemmt wird. Viele von ihnen machen Ausflüge in die Schweiz. DIe MThB steht für sie in Konstanz gleichsam vor der Tür. Es gab eine Zeit, da unsere Bahn ganze Extrazüge vom Bodensee ins Tessin organisierte. In den letzten Jahren hat die Motorisierung allerdings den Anteil des öffentlichen Verkehrs am Ausflugsverkehr herabgesetzt.


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